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    Produkt 3 minAktualisiert 6.10.2026

    Wer ist eigentlich für Green Claims verantwortlich?

    Marketing, ESG, Legal oder Geschäftsführung? So organisieren Unternehmen einen effizienten Freigabeprozess für Nachhaltigkeitsclaims.

    Marketing schreibt. Nachhaltigkeit liefert Zahlen. Legal sagt Nein.

    So sieht Green-Claims-Management in vielen Unternehmen aus.

    Das Ergebnis:

    lange E-Mail-Ketten,

    Screenshots,

    Word-Dokumente,

    Excel-Tabellen,

    und am Ende weiß niemand sicher, welche Version veröffentlicht wurde.

    Mit den neuen Anforderungen an Nachhaltigkeitskommunikation wird dieses Modell zunehmend unpraktisch.

    Green Claims sind eine Querschnittsaufgabe

    Kein einzelner Unternehmensbereich kann sie alleine sinnvoll steuern.

    Marketing

    kennt Zielgruppe, Tonalität und Kommunikationskanäle.

    Nachhaltigkeit oder ESG

    kennt Daten, Methoden und Maßnahmen.

    Rechtsabteilung

    bewertet rechtliche Risiken.

    Fachabteilungen

    kennen Produkt, Lieferkette oder Prozesse.

    Geschäftsführung

    entscheidet über besonders weitreichende Positionierungen und Zielversprechen.

    Das Problem entsteht, wenn diese Rollen erst zusammentreffen, nachdem die Kampagne fertig ist.

    Der bessere Prozess beginnt früher

    Ein effizienter Workflow kann beispielsweise so aussehen:

    Schritt 1: Claims automatisch erfassen

    Website, PDFs und relevante Marketingmaterialien werden regelmäßig nach Nachhaltigkeitsaussagen durchsucht.

    Schritt 2: Risiko priorisieren

    Nicht jede Aussage benötigt dieselbe Aufmerksamkeit.

    Ein technischer Satz über die Größe einer Photovoltaikanlage ist etwas anderes als:

    „Wir sind das nachhaltigste Unternehmen unserer Branche.“

    Schritt 3: Fachliche Evidenz zuordnen

    Der zuständige Fachbereich hinterlegt Daten, Zertifikate oder andere Nachweise.

    Schritt 4: Kommunikation präzisieren

    Marketing formuliert verständlich und zielgruppengerecht.

    Schritt 5: Kritische Fälle eskalieren

    Nur Aussagen mit tatsächlich relevantem Risiko gehen an die Rechtsabteilung oder externe Rechtsberatung.

    Das reduziert Aufwand.

    Schritt 6: Entscheidung dokumentieren

    Welche Formulierung wurde freigegeben?

    Warum?

    Auf welcher Evidenz?

    Bis wann gilt die Freigabe?

    Green-Claims-Governance darf kein Flaschenhals werden

    Das Ziel kann nicht sein, jede Instagram-Story durch drei Abteilungen und eine Kanzlei zu schicken.

    Ein funktionierender Prozess braucht deshalb Risikoklassen.

    Niedriges Risiko: standardisierte Freigabe.

    Mittleres Risiko: fachlicher Review.

    Hohes Risiko: Rechtsabteilung.

    Grundsatz-Claim: Geschäftsführung beziehungsweise externe Prüfung.

    So entsteht Geschwindigkeit trotz Kontrolle.

    Und dann kommt KI

    KI wird Green-Claims-Management stark verändern.

    Nicht indem sie die rechtliche Verantwortung übernimmt.

    Sondern indem sie repetitive Arbeit reduziert:

    Claims finden.

    Dubletten erkennen.

    Fundstellen dokumentieren.

    Aussagen kategorisieren.

    mögliche Evidenzlücken markieren.

    Formulierungsalternativen vorbereiten.

    Änderungen überwachen.

    Der Mensch bleibt dort, wo Kontext, Verantwortung und Entscheidung gefragt sind.

    Vom einmaligen Audit zum laufenden Prozess

    Websites verändern sich.

    Kampagnen verändern sich.

    Produkte verändern sich.

    Gesetze verändern sich.

    Deshalb ist ein einmaliger „Green Claims Check“ ein guter Start – aber kein dauerhaftes Governance-Modell.

    Langfristig benötigen Unternehmen einen Prozess, der neue Aussagen erkennt, bevor aus ihnen ein Problem wird.

    Genau dort liegt die nächste Entwicklungsstufe:

    Green Claims nicht nur prüfen. Green Claims managen.

    Anwendung und fachliche Freigabe

    EmpCo ergänzt insbesondere die Regeln für Geschäftspraktiken gegenüber Verbraucher:innen. Die konkrete nationale Umsetzung ist gesondert zu berücksichtigen; das deutsche UWG ist nicht automatisch der Maßstab für andere Länder. Eine genaue Formulierung allein ersetzt weder passende Nachweise noch die fachliche Freigabe durch Ihre Organisation. Prüfen Sie den Gesamteindruck einschließlich Überschrift, Bild und unmittelbar sichtbarer Erläuterung. Automatisierte Hinweise sind keine Freigabeentscheidung.

    Marco Giraldo

    Über den Autor

    Marco Giraldo · Gründer VERDAI

    Marco Giraldo ist Gründer von VERDAI und setzt sich für transparente, nachvollziehbare Nachhaltigkeitskommunikation ein.

    VERDAI ist ein unabhängiges Orientierungswerkzeug. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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