Über Greenwashing wird viel diskutiert. Wir wollten wissen, was tatsächlich auf Websites steht.
Seit Februar 2026 erfasst VERDAI Nachhaltigkeits- und Umweltaussagen aus realer Unternehmenskommunikation.
Der aktuelle Datenstand vom 22. September 2026 umfasst:
34.529 erfasste Aussagen
74.371 erfasste URLs
755 Projekte
273 Organisationen
Der Datensatz ist keine repräsentative Stichprobe der europäischen Wirtschaft.
Tourismus und Destinationsmanagement sind überdurchschnittlich vertreten.
Trotzdem lassen sich einige bemerkenswerte Muster erkennen.
Erkenntnis 1: Das Problem sind selten nur „böse“ Claims
Viele problematische Formulierungen wirken vollkommen normal.
„Nachhaltig.“
„Ressourcenschonend.“
„Umweltfreundlich.“
„Wir übernehmen Verantwortung.“
Das Problem liegt häufig nicht darin, dass Unternehmen bewusst täuschen wollen.
Sondern darin, dass Marketingkommunikation traditionell verdichtet.
EmpCo verlangt an vielen Stellen nun das Gegenteil:
mehr Spezifität.
Erkenntnis 2: Gut ein Viertel der Risikoteilmenge liegt im hohen oder kritischen Bereich
Die Risikoverteilung ist eine gesonderte Teilmenge von 17.467 eingeordneten Aussagen: 3.484 wurden als „hoch“ und 1.096 als „kritisch“ eingeordnet. Die veröffentlichten gerundeten Anteile betragen 19,9 beziehungsweise 6,3 Prozent. Diese Werte beziehen sich nicht auf alle 34.529 erfassten Aussagen.
Damit entfallen 26,2 Prozent der Risikoteilmenge auf diese beiden Kategorien; die übrigen Anteile sind 37,4 Prozent „mittel“ und 36,4 Prozent „gering“. Die Einordnung dient der Priorisierung, nicht einer Rechtsentscheidung.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass diese Aussagen automatisch rechtswidrig sind.
Die Kategorien sind analytische Hinweise auf Prüfschwerpunkte, keine Feststellung eines Rechtsverstoßes.
Es zeigt jedoch, wo ein genauerer Blick sinnvoll ist.
Erkenntnis 3: Löschen ist die Ausnahme
Noch interessanter sind die Entscheidungen der Nutzer:innen.
Von 5.235 dokumentierten Entscheidungen wurden:
55,8 Prozent umformuliert
36,9 Prozent übernommen
5,1 Prozent ausgeschlossen
2,2 Prozent entfernt.
Für uns ist das vielleicht die wichtigste Erkenntnis überhaupt.
Die häufige Entscheidung für Umformulierung ist ein Hinweis auf den praktischen Wert von Präzisierung. Der Datensatz misst jedoch kein Greenhushing und erlaubt keine Aussage über dessen Häufigkeit oder Ursache.
Erkenntnis 4: Nachhaltigkeit ist größer als Klima
Im Datensatz finden sich unter anderem Aussagen zu Umwelt, Biodiversität, Ressourcen, Nachhaltigkeit, Sozialem, Klima, Energie und Governance.
Die öffentliche Debatte fokussiert häufig stark auf CO₂ und Klimaneutralität.
Unternehmen kommunizieren jedoch wesentlich breiter.
Damit steigen auch die Anforderungen an Systeme, die solche Aussagen überwachen sollen.
Unser Fazit nach 34.529 Claims
Green Claims sind kein Randthema für Nachhaltigkeitsmanager:innen.
Sie entstehen überall dort, wo Unternehmen über Produkte, Fortschritte, Werte und Wirkung sprechen.
Deshalb wird Green-Claims-Management künftig vermutlich ebenso selbstverständlich werden wie Markenrichtlinien oder Datenschutzprozesse.
Nicht weil jede Aussage gefährlich ist.
Sondern weil Unternehmen wissen sollten, was sie öffentlich versprechen.
Was die Zahlen nicht messen
Erfasste URLs sind kein Beleg dafür, dass jede Seite vollständig, gleich intensiv oder erfolgreich geprüft wurde. Organisationen können mehrere Projekte beitragen; die Kennzahlen dürfen nicht als unabhängige Stichproben addiert werden. Die Risikoteilmenge ist kleiner als der erfasste Gesamtbestand. Die 5.235 Entscheidungen sind ein eigener Arbeitsstand, nicht der Nenner der Risikoverteilung. Die Anteile sind gerundet; sie belegen weder Rechtsverstöße noch eine Erfolgsquote nach Überarbeitung.
Wie Sie den Datenstand nutzen können
Nutzen Sie die Muster für Ihre interne Priorisierung: unklarer Geltungsbereich, fehlende Evidenz und weitreichende Begriffe zuerst prüfen. Vergleiche zwischen Organisationen erfordern einen vergleichbaren Scanumfang, dieselben Regeln und einen gemeinsamen Stichtag. Dieses Ergebnis ist ausdrücklich der Snapshot vom 22. September 2026 und darf nicht mit dem gesonderten Green Claims Monitor zum 27. September vermischt werden.
Anwendung und fachliche Freigabe
EmpCo ergänzt insbesondere die Regeln für Geschäftspraktiken gegenüber Verbraucher:innen. Die konkrete nationale Umsetzung ist gesondert zu berücksichtigen; das deutsche UWG ist nicht automatisch der Maßstab für andere Länder. Eine genaue Formulierung allein ersetzt weder passende Nachweise noch die fachliche Freigabe durch Ihre Organisation. Prüfen Sie den Gesamteindruck einschließlich Überschrift, Bild und unmittelbar sichtbarer Erläuterung. Automatisierte Hinweise sind keine Freigabeentscheidung.
Datenstand und Aussagegrenzen
Die 5.235 dokumentierten Entscheidungen gehören zum Arbeitsstand vom 22. September 2026. Sie sind ein eigener Nenner, getrennt von 34.529 erfassten Aussagen und der Risikoteilmenge von 17.467 Aussagen. Die Entscheidungsanteile sind gerundet: 55,8 Prozent Umformulierung, 36,9 Prozent Übernahme, 5,1 Prozent Ausschluss und 2,2 Prozent Entfernung. Diese nicht repräsentativen Daten messen weder Greenhushing noch Rechtsverstöße oder die Wirkung der Überarbeitung. Sie dürfen nicht mit dem separaten Monitor-Stichtag 27. September vermischt werden.
Quellen

Über den Autor
Marco Giraldo · Gründer VERDAI
Marco Giraldo ist Gründer von VERDAI und setzt sich für transparente, nachvollziehbare Nachhaltigkeitskommunikation ein.
VERDAI ist ein unabhängiges Orientierungswerkzeug. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.


