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    EU-Richtlinien 3 minAktualisiert 6.10.2026

    Nachhaltigkeitssiegel nach EmpCo: Wann ein Logo zum Risiko wird

    Eigene Nachhaltigkeitssiegel und Labels sind seit September 2026 stärker reguliert. Was Zertifizierungssysteme erfüllen müssen und worauf Unternehmen achten sollten.

    Ein grünes Blatt. Ein Kreis. Drei Sterne. „Eco Choice“.

    Ein eigenes Nachhaltigkeitslogo ist schnell erstellt.

    Genau diese Praxis möchte die neue Regulierung begrenzen.

    Denn für Verbraucher:innen sieht ein professionell gestaltetes Label schnell wie eine unabhängige Auszeichnung aus – selbst wenn es vom werbenden Unternehmen selbst erfunden wurde.

    Das UWG ist an dieser Stelle ungewöhnlich konkret

    Ein Nachhaltigkeitssiegel ist nach dem Gesetz ein freiwilliges öffentliches oder privates Vertrauenssiegel, Gütezeichen oder Ähnliches, das ein Produkt, Verfahren oder eine Geschäftstätigkeit hinsichtlich ökologischer oder sozialer Merkmale hervorheben soll.

    Das Anbringen eines Nachhaltigkeitssiegels ist stets unzulässig, wenn es weder auf einem Zertifizierungssystem beruht noch von staatlichen Stellen festgesetzt wurde.

    Aber was ist ein Zertifizierungssystem?

    Auch das definiert das neue UWG.

    Unter anderem muss das System:

    transparent und diskriminierungsfrei zugänglich sein,

    Anforderungen unter Einbeziehung geeigneter Sachverständiger und Interessenträger entwickeln,

    Verfahren für Verstöße sowie Entzug oder Aussetzung des Siegels vorsehen,

    und die Einhaltung durch einen unabhängigen Dritten anhand eines objektiven Verfahrens überwachen lassen.

    Ein hübsches Logo plus eine interne Checkliste reicht also nicht.

    Drei Fragen für jedes verwendete Label

    Wer hat die Kriterien definiert?

    Sind sie öffentlich?

    Sind sie nachvollziehbar?

    Wer überprüft die Einhaltung?

    Das Unternehmen selbst?

    Der Systeminhaber?

    Oder eine unabhängige dritte Stelle?

    Was passiert bei Verstößen?

    Kann das Siegel tatsächlich entzogen werden?

    Diese Fragen sollten Unternehmen nicht nur bei eigenen Labels stellen.

    Sie sollten sie auch bei Siegeln von Geschäftspartnern, Lieferanten und Brancheninitiativen stellen.

    Siegel sind nicht automatisch problematisch

    Im Gegenteil.

    Gut aufgebaute Zertifizierungssysteme können künftig an Bedeutung gewinnen, weil sie etwas bieten, das reine Selbstaussagen nicht leisten:

    einen definierten Kriterienrahmen und eine unabhängige Prüfung.

    Das Umweltbundesamt hebt beispielsweise staatlich anerkannte Umweltkennzeichnungen wie den Blauen Engel beziehungsweise das EU Ecolabel als Beispiele für anerkannte hervorragende Umweltleistungen hervor.

    Das Logo allein erzählt trotzdem nicht alles

    Auch bei einem anerkannten Siegel sollten Unternehmen transparent kommunizieren:

    Was wurde zertifiziert?

    Für welchen Zeitraum?

    Nach welchem Standard?

    Wer war die prüfende Stelle?

    Gilt das Siegel für das Unternehmen, einen Standort, ein Produkt oder nur einen Teilbereich?

    Denn ein Zertifikat kann korrekt sein – und trotzdem irreführend kommuniziert werden, wenn sein Geltungsbereich überdehnt wird.

    Die zentrale Frage lautet daher nicht: Haben wir ein Siegel?

    Sondern:

    Was genau belegt dieses Siegel?

    Anwendung und fachliche Freigabe

    EmpCo ergänzt insbesondere die Regeln für Geschäftspraktiken gegenüber Verbraucher:innen. Die konkrete nationale Umsetzung ist gesondert zu berücksichtigen; das deutsche UWG ist nicht automatisch der Maßstab für andere Länder. Eine genaue Formulierung allein ersetzt weder passende Nachweise noch die fachliche Freigabe durch Ihre Organisation. Prüfen Sie den Gesamteindruck einschließlich Überschrift, Bild und unmittelbar sichtbarer Erläuterung. Automatisierte Hinweise sind keine Freigabeentscheidung.

    Marco Giraldo

    Über den Autor

    Marco Giraldo · Gründer VERDAI

    Marco Giraldo ist Gründer von VERDAI und setzt sich für transparente, nachvollziehbare Nachhaltigkeitskommunikation ein.

    VERDAI ist ein unabhängiges Orientierungswerkzeug. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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