Ein gemeinsamer Green-Claims-Prozess bedeutet nicht, dass jede Branche dieselben Aussagen machen darf. Die Arbeit beginnt zwar überall mit dem genauen Wortlaut, seiner Fundstelle und den passenden Nachweisen. Doch eine Verpackungsangabe, eine Herkunftsaussage, eine Gebäudebilanz und ein Finanzprodukt sprechen unterschiedliche Erwartungen an. Für Sie bedeutet das: Nutzen Sie einen gemeinsamen Arbeitsablauf, aber prüfen Sie Geltungsbereich, Methode und Fachregeln für jeden Fall neu.
Verpackung und Handel
„80 Prozent Recyclingmaterial“ kann eine präzise Eigenschaft beschreiben, wenn der Anteil belegt ist. Als hypothetisches Beispiel wäre zu klären, ob diese Zahl den Flaschenkörper, den Verschluss oder die gesamte Verpackung bezeichnet. Auch Gewichtsbasis, Prüfzeitraum und Produktvariante gehören zum Nachweis. „Recycelbar“ stellt zusätzlich die Frage, ob Sammlung, Sortierung und Verwertung im angesprochenen Markt tatsächlich möglich sind. Ein Vorteil der Verpackung darf nicht als Umweltvorteil des gesamten Produkts erscheinen.
Lebensmittel: Herkunft ist kein pauschaler Umweltbeleg
Regionale Herkunft benötigt einen geografischen Bezug und eine nachvollziehbare Lieferkette. Beschreiben Sie, ob alle Zutaten, ein Hauptrohstoff oder ein bestimmter Beschaffungsanteil gemeint sind. Lieferant:innen können wechseln; ein einmaliger Beleg trägt nicht automatisch eine dauerhafte Aussage. Auch „Bio“ und „natürlich“ sind nicht austauschbar. Fachspezifische Kennzeichnungsregeln und der tatsächliche Kontext bleiben zu prüfen; eine Herkunftsangabe allein beweist keine umfassende Umweltleistung.
Gebäude: Betrieb und Herstellung unterscheiden
Ein niedriger Stromverbrauch sagt noch nichts über die Herstellung der Baustoffe aus. Benennen Sie den betrachteten Lebenszyklusabschnitt, die Fläche, den Bezugszeitraum und die Berechnungsmethode. Vergleiche zwischen Gebäuden benötigen vergleichbare Nutzungen und Systemgrenzen. Wenn ein Text nur den Betrieb betrifft, muss das auch in Überschrift und Bildunterschrift erkennbar bleiben. Eine konkrete Einzelkennzahl darf nicht in ein unbegrenztes Versprechen über das gesamte Gebäude umschlagen.
Finanzwesen: eigene Anforderungen berücksichtigen
Im Finanzwesen bestehen neben allgemeinen Werberegeln eigene Vorgaben, etwa die Offenlegungsverordnung SFDR und die EU-Taxonomie. Welche Vorschriften einschlägig sind, hängt vom Produkt, der Rolle des Unternehmens und der Kommunikation ab. Eine EmpCo-orientierte Kommunikationsanalyse ersetzt keine fachliche Einordnung eines Finanzprodukts. Für andere Länder ist die nationale Umsetzung gesondert zu berücksichtigen. EmpCo ergänzt insbesondere Verbraucher:innenregeln und ist kein universeller Maßstab für jede B2B-Aussage.
Ein gemeinsames Inventar – verschiedene Fachprüfungen
Erfassen Sie den Originalsatz, die vollständige URL oder PDF-Seite, die relevante Umgebung, den Geltungsbereich, das Belegdokument, seine Methode und Gültigkeit. Ordnen Sie eine verantwortliche Person und einen nächsten Prüftermin zu. Marketing präzisiert die Sprache; Fachbereiche bestätigen die Fakten. Kritische oder weitreichende Fälle gehen an qualifizierte externe Beratung. Die veröffentlichten Aussagen und deren Freigabe bleiben in der Verantwortung Ihrer Organisation.
Was Sie mit VERDAI strukturieren können
VERDAI hilft, öffentlich kommunizierte Aussagen einzuordnen und die weitere Bearbeitung zu strukturieren. Ein Hinweis auf fehlende Evidenz bedeutet nicht, dass diese im Unternehmen nicht existiert. Prüfen Sie zuerst den tatsächlichen Nachweis, bevor Sie einen Satz ändern. Ebenso wichtig sind begründete Ausschlüsse: „Energie tanken“ im Wellnesskontext ist nicht automatisch eine Umweltaussage. Automatisierte Hinweise ersetzen keine menschliche Kontextprüfung. Prüfen Sie nach der Freigabe auch kopierte Fassungen in Produktseiten, Kampagnen und Broschüren.
Quellen

Über den Autor
Marco Giraldo · Gründer VERDAI
Marco Giraldo ist Gründer von VERDAI und setzt sich für transparente, nachvollziehbare Nachhaltigkeitskommunikation ein.
VERDAI ist ein unabhängiges Orientierungswerkzeug. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.


